ALLGEMEIN

Vom Krähen der Fasane und wie schnell die Zeit vergeht

Ein Fasanenmännchen mit zwei verschiedenen Rufen, ein Weißdornbusch, der keiner ist, und die Nachricht, die ich lieber noch etwas hinausgezögert hätte: Mein letzter Arbeitstag auf Spiekeroog steht fest.

Veröffentlicht am 18. Juli 2026

Manchmal muss man einfach früh aufstehen, um die besten Geschichten zu bekommen. So auch an jenem Morgen, als ich vor der Arbeit ein Fasanenmännchen beim Krähen filmen konnte. Er hat mir gleich zwei verschiedene Rufe präsentiert – den bekannten, und einen zweiten, kurz-pausig-wiederholten, den ich vorher noch nie gehört hatte. Zum Abschluss seiner kleinen Vorführung lief er auch noch gemütlich den Hang vor meiner Haustür hinunter, sodass ich ihn in aller Ruhe fotografieren konnte. Meine Freundin, die zu Besuch war, hatte extra darum gebeten – sie hatte während ihres Besuchs so viel Freude an unseren gefiederten Nachbarn, dass ich mir vorgenommen hatte, ihr ein Andenken zu liefern. Mission erfüllt.

Fasane wurden um 1920 zu Jagdzwecken auf Spiekeroog angesiedelt und haben sich prächtig in den weitläufigen Dünenlandschaften eingelebt. Die farbenprächtigen Vögel sind heute fester Bestandteil der Natur und spazieren in den frühen Morgen- oder Abendstunden oft überraschend zutraulich durch die Dünen und nahe der Salzwiesen.

Was sonst noch so geschah
Die Woche hat mit einem ruhigen Abendspaziergang begonnen: Nach der Arbeit bin ich zum Strand gelaufen, um ein paar Fotos für diesen Blogartikel zu machen – abends ist das Licht einfach am schönsten. Danach ging es Schlag auf Schlag: ein Arbeitstag, an dem ich schon leicht k.o. war (der Spaziergang vom Vortag hatte wohl doch seinen Tribut gefordert), gefolgt von einem stressigen Frühstücksdienst mit spontanen Gästen und vollen Terrassentischen. Zum Glück hatte ich Verstärkung.

Mein freier Tag (diese Woche, nur einer!) hat mich wie gewohnt ins Backdeck zur obligatorischen Mohnschnecke mit Cappuccino geführt, danach in den Weltladen bei der evangelischen Kirche (zwei neue Bücher im Gepäck!) und schließlich für zwei Stunden an den Strand. Abends gab's irische Volksmusik im Kurpark – nicht ganz mein Geschmack, aber ein netter Ausklang.

Musikalisch tut sich einiges: Jochen hat mir die Noten für ein gemeinsames Konzert am 19. August vorbeigebracht, bei dem ich mit ihm und seinem Bruder spielen werde. Ich habe vorgeschlagen, "The Girl from Ipanema" einzubauen – improvisierter Mittelteil inklusive. Geübt habe ich übrigens auf dem Bett, mit dem Koffer als Notenständer. Man muss eben kreativ sein.

Eine kleine botanische Korrektur gab's auch noch: Der vermeintliche Weißdorn (Google weiß doch nicht alles.) vor meinem Fenster ist gar keiner, sondern eine Kirschpflaume. Mein Kollege hat mich aufgeklärt und mir eine Frucht zum Probieren mitgebracht – ich habe direkt eine kleine Schüssel voll gepflückt.

Der Abschied rückt näher
Diese Woche habe ich mit meiner Chefin über meinen Urlaub gesprochen: Mein letzter Arbeitstag auf Spiekeroog steht jetzt fest – der 23. August. Noch gut fünf Wochen liegen vor mir, und trotzdem fühlt es sich schon jetzt an, als wäre mein Abenteuer hier fast vorbei. Gerade jetzt, wo ich mich richtig eingelebt habe, wo die Insel, die Fasane, die Musikproben und sogar der Geschmack des Backdeck-Cappuccinos vertraut geworden sind – schon geht es Richtung Ende. Schade, aber auch schön, dass die Zeit so gefüllt war, dass sie wie im Flug vergangen ist.

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